Karfreitagsprozession

Ra Boe by Wikipedia.de

Stuttgart-Bad Cannstatt

Seit dem Jahre 1979 veranstalten italienische Migranten den aus Süditalien stammenden Brauch einer traditionellen Karfreitagsprozession. Tausende Italiener, Deutsche und anderen Christen ziehen vom Marktplatz durch die Straßen Bad Cannstatts zum Kurpark. Die Szenen werden zwar auf Italienisch gespielt, aber die Inhalte auf Deutsch angesagt. Mit rund 70 Laiendarstellern der italienisch-katholischen Gemeinde Stuttgarts und weiteren circa 50 freiwillige Helfern der Kirchengemeinden Liebfrauen, St. Peter und St. Rupert, sowie der Missione Cattolica Italiana, die die verschiedenen Inszenierungen unterstützen, beginnt die Prozession mit der Verurteilung Christi auf dem Marktplatz hinter der Stadtkirche. Über Lautsprecher an einem Minibus erzählen eine Männer- und eine Frauenstimme die Geschichte der Kreuzigung.

In Bad Cannstatt wird in historischen Kostümen gespielt, aber die Gewaltszenen und das Blut bei der Kreuzigung ausgespart. Jesus wird nur mit einigen Bastseilen statt mit Nägeln ans Kreuz gefesselt. Mit einer Dornenkrone und dem schweren Holzkreuz, eskortiert von einer Handvoll römischen Soldaten unter der Leitung eines Zenturios, geht es durch verschiedenen Straßen Bad Cannstatts bis zum Kurpark. Auf dem Weg werden das Überreichen des Schweißtuchen sowie die Hilfe von Simon von Cyrene, der hilft das schwere Kreuz zu tragen, nachgespielt. Im oberen Kurpark gipfelt die Karfreitagsprozession mit der Kreuzigungsszene, das musikalisch von Posaunenbläsern umrahmt wird. 2007 verfolgten über 7.000 Gläubige dieser Prozession.
Bevergerner „Karfriedagsdracht“
Bevergern gehört mit zu den wenigen Orten in Westfalen, wo eine alte Form der Karfreitagsprozession bewahrt werden konnte. Nach der Liturgie am Nachmittag setzt sich der Zug in Bewegung. Er führt heutzutage am Stadtgraben und ungefähr am ehemaligen Verlauf der Stadtmauer entlang. Früher ging er durch das sogenannte Karfreitagsgässchen, einem engen Durchgang zwischen den Häusern der Altstadt, der allerdings im Rahmen der Altstadtsanierung beseitigt worden ist. Mitgeführt werden neben den Leidenswerkzeugen noch ein Grabchristus und eine trauernde Madonna.
Das Besondere ist, dass während der Bevergerner Karfreitagsprozession alte Lieder aus der Zeit des Hochstiftes Münster gesungen werden, welche andernorts längst in Vergessenheit geraten sind. Auch gehen Männer und Frauen getrennt voneinander mit der Prozession, so dass sich Leidenswerkzeuge/Grabchristus/trauernde Madonna dazwischen in der Mitte des Zuges befinden. An fünf Stationen macht die Prozession Halt, wo jeweils ein Gesätz des „Schmerzhaften Rosenkranzes“ gebetet wird. Die „Karfriedagsdracht“ endet in der Pfarrkirche mit dem Lied „Christi Mutter stand mit Schmerzen“.
Martin Pollklas by Wikipedia.de
Wiedenbrücker Kreuztracht
Als Wiedenbrücker Kreuztracht wird die jährliche Prozession am Karfreitag in Wiedenbrück, einem Stadtteil von Rheda-Wiedenbrück, in Ostwestfalen bezeichnet. Bei der Wiedenbrücker Kreuztracht zieht eine Prozession mit einem Jesus-Darsteller sowie einem Darsteller des Simon von Cyrene, in entsprechender Verkleidung und Maskierung durch die Altstadt von Wiedenbrück. Der Jesus-Darsteller trägt dabei ein schweres Holzkreuz auf seinen Schultern. Auf diese Weise gedenken die teilnehmenden Gläubigen der Passion Jesu Christi und seines Wegs durch Jerusalem, bevor er auf dem Berg Golgota gekreuzigt wurde. In Anlehnung daran, dass die römischen Soldaten der Bibel nach Jesus als König verhöhnten, trägt der Jesus-Darsteller einen Purpurmantel und eine Dornenkrone, wie die Soldaten sie Jesus aufsetzten. Die Prozession wurde 1663 von den Franziskanern, die seit 1644 in Wiedenbrück ein Kloster unterhalten, nach Wiedenbrück gebracht. Von ihnen wird sie seitdem mit nur wenigen Unterbrechungen (u.a. während des Zweiten Weltkriegs) durchgeführt.
Traditionell sind die kostümierten und maskierten Darsteller ebenso wie deren Beweggründe für die Teilnahme an der Prozession nur wenigen Personen im Kloster bekannt. Gemutmaßt wird, dass zumindest in früherer Zeit auch Personen das Kreuz auf sich luden, die damit eine persönliche Schuld abtragen wollten. In diesem Zusammenhang halten sich bis in die jüngste Zeit Gerüchte, unter den Kreuzträgern befänden sich gelegentlich ehemalige Strafgefangene, die Buße tun wollten.
Letztlich ist es aber in den vergangenen Jahrhunderten aufgrund der strengen Geheimhaltung der Franziskaner niemandem außerhalb des Klosters gelungen, die Beweggründe eines Kreuzträgers zu erfahren und publik zu machen. In jüngster Zeit nehmen auch die Christen der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, die in Wiedenbrück seit mehr als einem Jahrzehnt eine Gemeinde bilden, an der Prozession teil. Mit traditionellen Gesängen aus ihrer Kirche gestalten dabei Mädchen und Jungen der Gemeinde eine Station der Prozession.

Bild- u. Textquelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Cannstatt
http://de.wikipedia.org/wiki/Wiedenbr%C3%BCcker_Kreuztracht
http://de.wikipedia.org/wiki/Bevergern

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